100 Jahre Vera Beckers

Mit einem Festakt feierte das Berufskolleg Vera Beckers (BKVB) am Dienstag, 26. Oktober, seinen 100. Geburtstag. Zu den Gratulanten zählten Oberbürgermeister Frank Meyer, die Schulleiter*innen und stellvertretende Schulleiter*innen aus Krefeld, Kempen und Viersen sowie
die ehemalige Schulleiterin des BKVB Hedwig Schomacher und ihr Stellvertreter Eberhard Brand.
Am 25. Oktober 1921 nahm das damalige Kollegium den Unterricht mit 535 Schülerinnen und sechs Lehrerinnen als Untermieter im Lyzeum (heute Ricarda-Huch-Schule) und acht weiteren Dependancen auf. In dieser „Hauswirtschaftlichen Mädchenfortbildungsschule“ gab es sechs Stunden hauswirtschaftlichen Unterricht und darüber hinaus so genannten „Wissensunterricht“.
Der Name Vera Beckers geht auf die gleichnamige Stadtverordnete zurück, die sich unter anderem im Gründungsjahr der Schule vehement dafür eingesetzt hat, neben der bereits bestehenden Knabenfortbildungsschule auch eine Fortbildungsschule für Mädchen einzurichten.
Sie setzte sich mutig für die Gleichberechtigung von Frauen und für soziale Gerechtigkeit ein.

Unsere Namensgeberin Vera Beckers (die übrigens eigentlich Veronika heißt) lebte von 1882 bis 1960 in Krefeld, hatte eine Ausbildung als Lehrerin und war eine Stadtverordnete der SPD. Sie setzte sich am 22.09.21 in der Stadtverordnetenversammlung in Krefeld dafür ein, dass es eine „Mädchenfortbildungsschule“ in Krefeld geben müsse:

„Wir verlangen letzten Endes nichts Unbilliges, wir verlangen weiter nichts als nur Gerechtigkeit für beide Geschlechter, die uns Frauen bisher versagt worden ist.
Sie können jetzt einen Akt der Ritterlichkeit begehen, indem Sie uns das schenken, was jahrhundertelang den Frauen versagt worden ist.

Wir wollen doch keinen neuen Hut oder sonst etwas Derartiges, wir wollen nur bessere Bildung und Erziehung.

Wir wollen das doch nicht aus egoistischen Gründen, nicht für uns, wir wollen es für die Familie, für die Allgemeinheit, für den Wiederaufbau des kranken Vaterlandes.
Die Summen, die für Bildung und Erziehung ausgegeben werden, die tragen die reichsten Zinsen, das Wort paßt hier in allererster Linie.
Es sind Unsummen an Volksvermögen verschleudert worden, weil man den Mädchen nicht die genügende Ausbildung und Erziehung gegeben hat.
Die Hälfte aller Beträge für Armenpflege, Krankenpflege, Säuglings- und Wöchnerinnenfürsorge, Wohnungsfürsorge und die ganze Familienfürsorge nrauchte man nur auszugeben, wenn man unseren Frauen eine bessere Erziehung und Bildung gegeben hätte.“

Auch aufgrund dieser Rede wurde der Start der  „Mädchenfortbildungsschule“ zum 01.10.1921 bei dieser Sitzung beschlossen.

Beschlossen wurde die Namensgebung unserer Schule am 03. Juni 1993 auf Initiative des damaligen Lehrerrates durch den Rat der Stadt Krefeld.
Heute findet der Unterricht in drei Gebäuden statt: „Gebäude A“ an der Girmesgath diente

bis zum ersten Weltkrieg einer Husarenkompanie als Kaserne, das dahinter liegende „Gebäude B“ wurde in den 1970er Jahren errichtet und „Gebäude C“ an der Westparkstraße ist die ehemalige „Milchwirtschaftliche Untersuchungsanstalt“, erbaut mit Mitteln aus dem Marshall-Plan nach dem 2. Weltkrieg.

Im Laufe seines nun hundertjährigen Bestehens hat sich das BKVB den bildungspolitischen Erfordernissen gestellt und sich zu einem modernen Berufskolleg mit Beruflichem Gymnasium entwickelt, an dem knapp 2600 Schülerinnen und Schüler von 185 Lehrkräften unterrichtet
werden.

Oberbürgermeister Frank Meyer würdigte in seiner Festrede den Mut der Stadtverordneten Vera Beckers, sich vor 100 Jahren gegen Widerstände für bessere Bildung von Frauen einzusetzen. Er sagte: „Sie wäre sicherlich stolz, wenn sie die Schule heute sehen könnte, die immer von Schulleiterinnen weiterentwickelt worden sei und nun mit Stefan Bur den ersten Schulleiter habe – Gleichberechtigung funktioniere hier auch andersherum.“ Und führte fort: „Heute besuchen Mädchen und Jungen hier unter anderem die Schule, nicht um, wie vielleicht früher,in wohlhabenden Häusern Deckchen zu falten, sondern um in der Gastronomie zu arbeiten.“ In seiner Rede hob er außerdem hervor, wie am BKVB Allgemeinbildung und Berufsbildung Hand in Hand gingen und dass die Schule ein Ort sei, an dem Gymnasiasten/innen und Schülerinnen und Schüler, die den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 machten unter dem gleichen Dach gefördert würden. Das BKVB feiere seine Vergangenheit und sei mehr als gut gerüstet für die Zukunft.

Schulleiter Stefan Bur betonte in seiner Festtagsrede die beständige Veränderung der Schule über diesen langen Zeitraum hinweg. Könne Vera Beckers die Schule in einer Zeitreise immer mal wieder sehen, würde sie feststellen, dass es viele Konstanten aber auch viele Veränderungen gegeben habe. Eine Konstante sei zum Beispiel die beständige Raumnot. Unverändert sei auch, dass immer viel Bewegung im System sei: Bildungsgänge veränderten sich, manche würden nicht mehr angeboten, neue kämen hinzu. Geändert habe sich auch die Zusammensetzung der Schülerschaft: Es gebe eine zunehmende Heterogenität, die Schülerinnen und Schüler kämen heute aus über 50 Nationen, von der Schweiz bis Venezuela. Diese Tatsache sei einerseits Herausforderung, andererseits bringe sie auch viele positive Impulse.

Fundamental geändert habe sich glücklicherweise, dass Bildung für Mädchen und Jungen heute eine Selbstverständlichkeit sei – auch ein Verdienst der Namensgeberin Vera Beckers und ein Auftrag an alle, Gleichberechtigung und

Wertschätzung im heutigen Schulbetrieb weiter zu fördern. Zu den offiziellen Feierlichkeiten fanden sich die Gäste sowie Lehrerinnen und Lehrer des BKVB im Café Ludwig des Mies van der Rohe Business Parks ein, der in der Nachbarschaft der Schule liegt. Anlässlich der Hundertjahrfeier hatten Schüler

innen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen einen Ausstellungsparcours im Schulgebäude an der Girmesgath geplant und gestaltet. Dieser präsentiert Schwerpunkte der täglichen Arbeit und geschichtliche Aspekte des BKVB.

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